Bild/Illu/Video: Corinne Gut Klucker

Ein magisches Jubiläumsgeschenk

Das Konzert war eine Hommage an die 800-jährige Geschichte von Klosters und die Wahl des Austragungsortes in der historischen Kirche – ihre urkundliche Ersterwähnung bildet die Grundlage für das grosse Jubiläum - war mehr als nur symbolischer Natur. Vielmehr verschmolz die Kirche mit der raumfüllenden Musik, war Rahmen und Mitgestalterin gleichermassen und liess den Zauber längst vergangener Zeiten entfalten. Im Glanz von Giacomettis strahlenden Kirchenfenstern im letzten Abendlicht spielte unter Konzertmeisterin Katharina Heutjer ein virtuoses La Cetra Barockorchester, dirigiert von einem mitreissenden, anfeuernden und domptierenden Maurice Steger und begleitet von einer beeindruckenden, höchstkarätigen Nurial Rial. Es war ein Fest für alle Sinne, fein und dicht gesponnen und bis ins allerkleinste Detail zu einem Gesamtwerk verwoben aus Klangwelten und Licht, Kirchenraum und Künstler und einem mitfieberndem Publikum.


Musikalische Reise durch vier Jahrhunderte

Schon das erste, tragende Lied legte sich wie weiche Schleier um das Publikum, sanft senkte sich von der Balustrade der Klang von Nuria Rials reiner Glockenstimme in den Raum, einnehmend umspielt von Maurice Stegers spätmittelalterlicher Blockflöte in der zweiten Stimme. Die Liedklänge aus dem Klosters Monserrat nahmen den Kirchenraum ein und die Zuhörer mit auf Reisen in längst vergangene Zeiten. Vor dem inneren Auge wuchsen Bilder von mittelalterlichen Mönchen und Schreibstuben. Mit einem Knall wechselte  die Stimmung und ein wirbelnder, auffordernder und antreibender Steger liess das Orchester zu einem fröhlichen Feuerwerk auflaufen und entlockte seinen Flöten unglaublich lebhaft und schnell die unglaublichsten Töne. Es war ein hin- und herfliegendes Kokettieren zwischen Sopranistin und Flötist, zwischen Künstlern und Publikum und ein Ausdruck reinster Freude am Musizieren, der die Zuhörerschaft in Bann schlug. Wellenartig wechselten die Stimmungen in der ersten Konzerthälfte vom Tänzerischen ins Schmachtende und vom Pulsierenden ins Erhebende und wieder zurück. Ein Feuerwerk an Klangfarben und ein Wechselbad der Emotionen, stets in der perfekten Dosierung und Akzentuierung, mit Raum für den Auftritt einzelner Instrumente.


Nach der Konzertpause wechselte die Szenerie und ins Rampenlicht trat eine betagte Klosterser Grand Dame: Die 336-Jahre alte Köberle-Orgel auf der Balustrade. Die kleine Orgel gehört zu den 3 ältesten heute noch spielbaren Orgeln im Kanton Graubünden und an diesem Sommerabend wurde sie zum Star. Hofiert vom Orchester im Chorgewölbe und im Wechselspiel mit Nuria Real auf der Kanzel verzauberte sie mit Händels Cavatina (HWV 234) das Publikum. Mit Händels bekanntem Orgelkonzert Der Kuckuck und die Nachtigall  nahm das Orchester die Köberle-Orgel vollends und auf Augenhöhe mit auf in den Verbund. Für ihre besondere Stimmlage hatten sich die Musiker mit eigens gestimmten Zweitinstrumenten ausgestattet und ein herausragender Sebastian Wienand  liess das Bijoux brillieren, für ein seltenes Mal nicht als Solistin sondern mit der ganzen Wucht eines ganzen Orchesters. Ein einmaliges, eindrückliches Erlebnis und ein weiterer Höhepunkt eines aussergewöhnlichen Konzertabends. Das Publikum dankte es mit frenetischem, tosendem Applaus und mit einer Begeisterung, die mit in die Sommernacht und auf den Weg genommen wurde. Und bestimmt lange nachklingen und nachhallen lässt. 


Maurice Steger (Blockflöte und Leitung), Nuria Rial (Sopran), Sebastian Wienand (Orgel und Cembalo), Katharina Heutjer (Konzertmeisterin), La Cetra Barockorchester Basel.

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